Erweiterte Texte
1. Titel-Folie: Schwester Maria vom Göttlichen Herzen
2. Folie: Tochter des Münsterlandes/Burg Vischering
Maria vom Göttlichen Herzen, meine große Mitschwester, hat mich von den ersten Tagen meines Ordenslebens an – und das sind inzwischen 52 Jahre, begleitet. Sie hat mich von Anfang an fasziniert als eine Frau, die tiefe mystische Erfahrung mit großem apostolischen Engagement zu verbinden wusste. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie in Deutschland sehr bekannt und verehrt, auch wohl im Zusammenhang mit der damals allgemeinen Herz-Jesu-Verehrung. Dann war jahrzehntelang Schweigen. Mir scheint, dass die jetzige Zeit wieder offener ist für Religiöses und Mystik im Besonderen. Man braucht nur die einschlägige, nicht nur rein katholische Literatur über Mystik suchen: man findet sie seitenweise, auch im internet. Ob Maria dabei ihre Finger im Spiel hat? Na ja, wir werden sehen.)
Kindheit – Jugend
Kommen Sie mit mir nach Darfeld, wo an einem kleinen Mädchen, das am 8. September 1863 in Münster geboren wurde, nichts Außergewöhnliches zu bemerken ist. Seine Kindheit liefert keinen Stoff für eine moderne story, und die Familie Droste zu Vischering eignet sich auch nicht für Berichterstattung in der Regenbogenpresse. Das ist bis heute so geblieben.
3.Folie: Schloß Darfeld im Frühjahr
Das Schloß Darfeld kam 1690 in den Besitz der Familie Droste zu Vischering. Darfeld liegt in einer besonders reizvollen Gegend des Münsterlandes. Das Schloß selbst fügt sich mit seinen Teichen und Wassergräben und seinem einmaligen Baumbestand harmonisch in die münsterländische Parklandschaft ein. Es ist eines der schönsten Wasserschlösser Westfalens. In Darfeld wird deutlich, wie mächtig, weitläufig, fürstlich man zu bauen verstand. Die Arkaden des Innenhofes zaubern ein wenig Süden in diese Landschaft von Wasser, Wäldern und Wiesen.
Hier auf Darfeld verbringt Maria ihre Kindheit und Jugend.
4. Folie: Erbdrostenhof Münster
Am 8. September 1863 werden die Zwillinge Maria und Max im Erbdrostenhof in der Salzstraße zu Münster geboren
5. Folie: Taufkirche St. Servatii in Münster
Am 10. September ist in der St. Servatii-Kirche die feierliche Taufe, nachdem sie gleich nach der Geburt mit ihrem Zwillingsbruder die Nottaufe erhalten hatten.
Maria war alles andere als ein vorbildlich und fehlerfrei. Sie ist zwar als Kind fromm, was aber in dieser Familie gar nicht auffällt.. Sie hat eine cholerische Natur und ist für die Mutter viel schwieriger als die übrigen Geschwister zu behandeln. Ich glaube, dass Maria ein hochbegabtes Kind war und als solches nicht einfach zu nehmen, zumal man damals noch nicht unsere entwicklungspsychologischen Erkenntnisse über dieses Phänomen hatte. Marias ausgeprägt starker Wille lehnte sich zunächst grundsätzlich gegen alles auf, was ihr in den Weg trat, mochte es auch noch so berechtigt sein. Diese Charakteranlage sollte aber später das natürliche Fundament für die geistige und geistliche Energie sein, die sie so einzigartig auszeichnete. Aber das forderte von ihr harte Arbeit an sich selbst.
6. Folie: Maria mit 4 Jahren/Kindheit auf Darfeld
„Kätzchen“ heißt sie bei den Geschwistern. Denn sie kratzt, beißt und spuckt, um zum Ziel zu kommen. Dabei hat sie ein ungemein weiches Herz. Jemanden leiden zu sehen, ist ihr schon sehr früh unerträglich. Mit der Heftigkeit ihres Temperamentes hat Maria bis zum Tode zu kämpfen. Es gibt eben nichts Halbes an ihr. Beim Spiel ist sie grundsätzlich Anführerin. Je wilder es zugeht, desto glücklicher ist sie. In wilden Spielen mit Brüdern und Schwestern tobt sich ihr Temperament aus. Maria ist überhaupt als Kind von einer fast unbändigen Lustigkeit.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Die Kinder bekommen Hausunterricht durch die Mutter und den Schloßkaplan. Die Zwillinge Maria und Max gehen zur Erstbeichte und Erstkommunion und werden gefirmt – eine gehobene katholische Sozialisation eben. Maria schreibt darüber in ihrer Selbstbiografie: „Vom Jahre 1876 erinnere ich mich, wie ich in äußerlich scherzender Weise, aber mit innerem Ernst einer Altersgenossin erzählte, ich wolle ins Kloster gehen. Später weiß ich auch, wie wir Kinder uns über unsere Zukunft unterhielten, und als die Brüder erklärten: „Maria geht nicht ins Kloster“, ich äußerlich schwieg, aber still für mich dachte: Ich tue es doch.“
7. Folie: Unzertrennliche Zwillinge
Äußerlich merkt niemand etwas von diesen inneren Vorgängen. Sie gibt sich eben so, wie sie ist. Hören wir noch einmal ihre Mutter: „Sie war absolut offen“, berichtet sie, „und ich bin überzeugt, daß sie nie eine Lüge gesagt hat. Sie ist nie ungehorsam gewesen, ich konnte mich absolut auf sie verlassen, wenn ich etwas gesagt hatte; aber sie beugte sich nur schwer, und wenn sie es tat, war es bei ihr wirklich ein Akt der Tugend. Es war nicht leicht, sie zu lenken, sie ließ oft Unzufriedenheit merken und war keineswegs so gefügig, wie man bei ihrer Frömmigkeit hätte erwarten sollen. Sie hatte Zornanfälle und oft mußte ich ihr Vorhaltungen machen. Widerspruch konnte sie nicht ertragen und hatte eine Art geistigen Hochmuts. Ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, daß es Hochmut sei, blieb sie bei ihrer Meinung, mit der sie allerdings meistens recht hatte, und hielt auf eine gewisse Überlegenheit, die sie besaß, ohne es zu wissen. Sie herrschte von Natur aus, war immer an der Spitze, und legte Wert darauf, geliebt und beachtet zu werden.“
Nichts deutet auf eine künftige Heilige hin. Oder doch? Maria glaubt seit ihrer Firmung einen Ruf zum Ordensleben erhalten zu haben, eine Be-rufung. Doch Zweifel kommen auf: Die Eltern sind auch fromm und gehen trotzdem nicht ins Kloster. Warum dann ich? Berufung klingt nach nicht Alltäglichem, nach Auserwählung, nach besonderer Aufgabe oder Auftrag, nach Weihe des eigenen Lebens für den Dienst an einer größeren Sache. Maria fühlt sich nicht würdig.
In der Familie Droste zu Vischering auf Darfeld war Berufung kein Tabuthema. Berufung ist nicht, wie viele meinen, eine einmalige Erfahrung, sondern eher etwas Prozeßhaftes, das sich nach und nach entfaltet. Wohin der oder die Berufene gezogen wird, zeigt sich nicht zuletzt an seinen natürlichen Begabungen und Fähigkeiten. Es fällt schon früh auf, daß Maria immer wieder über die Kranken im Hospital berichtet und von ihren Besuchen bei den Armen. Sie nimmt die Not wahr und versucht im Rahmen der von den Eltern gegebenen Möglichkeiten zu helfen.
Aus den Jahren 1882 bis 1888 erfahren wir immer wieder auch von Marias Sorge für die Schloßkapelle und die Pfarrkirche in bezug auf Schmuck und Gesang. Als nach ihrer Tbc-Erkrankung wenig Aussicht besteht, in einen Orden eintreten zu können, spricht sie zuweilen davon, in irgend ein Dorf überzusiedeln, um dort die ganze Sorge für die Kirche zu übernehmen.
Aber schauen wir zurück. Am 18. April 1879 war Maria in das Internat der Sacré-Coeur-Schwestern in Riedenburg gekommen, „abgeliefert worden“, wie sie selbst es bezeichnete. Nach ihren Aufzeichnungen war die erste Zeit der Eingewöhnung „ganz schrecklich“. Maria zählt von mal zu mal die Tage, bis sie ihre Brüder, die zur gleichen Zeit bei den Jesuiten in Feldkirch sind, sehen kann. Maria ist in ihrer Klasse eine der Besten, aber an ihrem Benehmen haben die frommen Frauen viel auszusetzen: „eklig“ hat sie eine Sache genannt... So etwas sagt ein Fräulein nicht. Ein Fräulein macht auch keine Schneebälle – wieder ein tadelnder Hinweis. Maria beklagt sich darüber bei ihren Brüdern.
8. Folie: Eine Dame wird gebildet/Pensionat Riedenburg
Aber leise, ganz leise, beginnt schon ein Ablösungsprozeß. Wenige Tage nach ihrer Ankunft erlebt sie eine Profeßfeier, die sie persönlich tief anrührte und die schlummernden Ordensgedanken wieder wachrief. Maria „bearbeitet“ ihren Charakter, schreibt die Leiterin des Internats. Ja, sie wird zur Dame zurechtgestutzt .“In der Notenverlesung hatte ich zum Glück sehr gut, am vorigen Sonntag nur gut, weil ich am Congé (freier Tag) zu viel getobt hatte. Von ihrer Lustigkeit zeigt das Foto allerdings nichts, das aus dieser Zeit stammt. Doch die ganze geistliche Atmosphäre des Internats beeindruckt Maria.
9. Folie: Ein junges Mädchen wie alle anderen/Maria mit 15 Jahren
Am 21. November 1880 hört Maria in der Klosterkirche eine Predigt von dem Jesuiten Hausherr, der die Familie Droste gut kannte. Er leitet die Predigt mit den Worten aus dem 44. Psalm ein: „Höre Tochter, sieh und neige dein Ohr, vergiß dein Volk und das Haus deines Vaters. Der König verlangt nach deiner Schönheit.“ Maria weiß: „Das gilt mir“. Sie spricht mit P. Hausherr, und dieser erkennt sofort ihren Beruf und ermuntert sie, um Klarheit in der Entscheidung zu beten. Sie beschreibt später, daß ihr von da an kein Opfer zu schwer gefallen sei, das sie in dieser Beziehung zu bringen hatte.
Im gleichen Monat November erkrankt Maria schwer. Die vermutete Grippe war in Wirklichkeit eine Lungenentzündung, die übersehen und daher auch nicht behandelt wurde. Als es ihr ein wenig besser ging, wollte man sie zum Singen in der Kapelle haben. Maria bekam einen Rückfall, fühlte sich schlecht, sagte aber niemand etwas davon. Nach dieser Krankheit hat sie ihre vollen Kräfte nie wiedererlangt. Ihre Gesundheit war sozusagen gebrochen. Es macht schon nachdenklich: In derselben Zeit, wo Marias Seele den entscheidenden Ruf zum Ordensleben vernimmt, erhält ihr Körper das Stigma des Leidens, das sie nie wieder verlassen wird.
Die Zeit in Riedenburg ist für Maria eine ganz entscheidende. Maria lebt reflektierter als vorher. Sie macht in Riedenburg ihre ersten Exerzitien mit, die sie auch veranlassen, sich selbst mehr in den Blick zu nehmen und ihre Wirkung auf die Umgebung zu bedenken. Die Riedenburger Oberin schreibt in dieser Zeit an die Mutter: „...Sie gibt sich sehr viel Mühe, die Schroffheiten ihres Charakters abzulegen und etwas milder und freundlicher im Umgang zu sein. Der Verkehr mit den übrigen Zöglingen wird ihr, wie sie mir sagte, viel leichter.....“ Sie habe allerdings selten bei einem Kind so stark wie bei Maria erlebt, daß sie nur Sinn und Freude habe für das, was aus der Heimat kommt. Vor allem vermißt Maria in Riedenburg das kirchliche Leben, besser gesagt, die Gestaltung der kirchlichen Feste. Sie beklagt, daß sonntags nur 2 stille heilige Messen gefeiert würden und kein Hochamt. Sie habe gar kein Gefühl, daß Sonntag ist.
Nach den zweiten Exerzitien in Riedenburg verstärkt sich immer mehr der Ruf zum Ordensleben in Maria. Aber sie hütet sich, anderen davon zu erzählen, lediglich Pater Hausherr wird auf eindringliches Nachfragen eingeweiht. Immer wieder ist es dieses „nicht etwas – sondern alles“, auf das Maria anspringt. Sie beschreibt diese Zeit später als eine seelisch ruhige. Auch die Mitschülerinnen bemerken an ihr mehr Ausgeglichenheit. Die Oberin schreibt darüber, daß man annehmen dürfe, daß die äußeren Veränderungen Folge seien vom Wirken der Gnade im innersten der Seele. Maria sei so groß angelegt, es läge soviel Gutes und Edles in ihrem Charakter, daß man bei ihrem ausgezeichneten Willen zu den besten Hoffnungen berechtigt sei. In der Klasse sei sie meistens die Erste, sie lerne mit großem Eifer und zeige Interesse für alles.
Die junge Frau
Kurz vor Vollendung des 18. Lebensjahres kehrt Maria nach Hause zurück. Sie pflegt die familiären Beziehungen im engeren und weiteren Sinn, macht Besuche in der großen Verwandtschaft und Nachbarschaft. Wie früher hat sie ganz schnell wieder die Führung unter den Gleichaltrigen. Ihre Einfachheit und Natürlichkeit, aber ganz besonders ihr heiteres Wesen erobern die Herzen. Besonders kann sie andere Personen imitieren in Stimme, Gesichtsausdruck, Manieren und Haltung, und das so täuschend ähnlich, daß es unbeschreiblich komisch war und man glauben konnte, den Betreffenden selbst vor sich zu sehen. Auch die Betroffenen selbst nahmen ihr das nicht übel, weil es nicht verletzend inszeniert wurde. Da sie ja ihre Gesundheit stabilisieren soll, ist Maria sportlich aktiv. Es gibt wieder große Ritte mit Brüdern und Vater, für ihr Leben gern läuft sie Schlittschuh. Als sie dabei sich einmal gründlich den Fuß verstaucht hatte und liegen muß, strickt sie unentwegt für die Armen. Es ist die alte Maria.
10. Folie: Droste-Familie um 1880
Mit ihrer Schwester Auguste teilt sie sich die Sorge für die Schloßkapelle, kümmert sich um die Blumen und den Gesang. Sie fertigt Skizzen an für den Schmuck der Schloßkapelle und der Pfarrkirche. Im übrigen scheint das Leben der Familie Droste zu Vischering in seinem Tagesablauf eher einem Kloster zu ähneln. Sie erzählt uns später davon, daß alle täglich an der Eucharistiefeier teilnahmen, 3 x wöchentlich kommunizierten, Betrachtung hielten, geistliche Lesung mit den Eltern machten, gemeinsam täglich den Rosenkranz beteten.
11. Folie Das Vorbild der Eltern
Überhaupt die Eltern:
Von Marias Vater wissen wir, dass er 1832 im Erbdrostenhof zu Münster geboren wurde, das Paulinum in Münster besuchte und an den Universitäten Bonn und Berlin studierte. Danach arbeitete er sich praktisch in die Verwaltung seines großen Besitzes ein. 1848 heiratete er die Gräfin Helne von Galen aus Dinklage im Oldenburgischen. In seinem Charakter sei eine angenehme Mischung von ruhiger Gelassenheit, Willensenergie und Sinn für Humor gewesen, so wird er beschrieben. Dabei beeindruckte alle, die ihn näher kennen lernten, seine tiefe Religiösität. Er führte ein streng geregeltes Leben. Seinen 90. Geburtstag konnte er nach dem Bericht des damaligen Schlossvikars noch mit jugendlicher Frische und Heiterkeit feiern. Er starb am 20. August 1923.
Die Ausstrahlung einer solchen Persönlichkeit wurde unter pädagogischen Gesichtspunkten noch verstärkt durch die dem Vater kongeniale Mutter Helene von Galen, einer äußerst temperamentvollen Dame. Sie gewann schon in der Verlobungszeit ihren künftigen Ehemann für die Herz-Jesu-Verehrung, und führte sie in Darfeld ein. Dabei war sie beileibe nicht bigott. Sie war eine willensstarke Persönlichkeit, begabt mit einem scharfen Verstand und erfahren in allen Bildungsfragen. Sie drang auf eine umfassende Bildung ihrer Kinder, insbesondere auch der Töchter.
12 Folie:Mädchenwohnzimmer in Darfeld/ re. v.d.Tür Marias Schreibtisch
So wundert es auch nicht, daß Maria Latein lernen möchte, um die Sprache der Kirche besser zu verstehen. Damals hatte man noch keinen Schott. In den Jahren 1885/1886 erhält sie entsprechenden Unterricht beim Schloßkaplan, und mit seiner Unterstützung übersetzt sie in dieser Zeit die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Apostelbriefe.
So waren Marias Tage gut und vielseitig ausgefüllt, zumal die Erbdrostin sehr darauf hielt, daß ihre Töchter in allen hauswirtschaftlichen Obliegenheiten nicht nur theoretisch, sondern vor allem auch praktisch mithalten konnten. Sie verlangte von ihren Töchtern, daß sie alles lernten, was zur Verwaltung eines Hauses gehört. Marias Vater war dazu ein hervorragender Verwaltungsfachmann, und besonders Maria hielt sich gern in seiner Nähe auf, wenn er die Sprechstunden für seine Beamten hielt. Später sollen ihr diese kaufmännischen und juristischen Kenntnisse sehr zugute kommen, als sie völlig auf sich selbst gestellt ist.
Bei all dem verliert Maria die Lebensfrage ihres Berufes nie aus dem Auge. Sie weiß zwar, daß momentan aus gesundheitlichen Gründen an einen Eintritt nicht zu denken ist. Aber in der Klausur ihres Herzens ist sie ganz bei dem, den „ihre Seele sucht“. Geduld und Warten sind nicht Marias Stärken. Auch plagt sie die Frage, welcher Orden für sie infrage käme. Den Gedanken an Sacré Coeur läßt sie bald fallen, da sie dort doch in ihrem bisherigen Lebenskreis bliebe und nicht genug aus ihrer früheren Stellung herausträte. Für die Arbeit der Josefsschwestern im Baltikum reicht die Gesundheit nicht. Soll es ein monastischer oder apostolischer Orden sein? In ihrer Selbstbiografie sagt sie: „Da ich einen heftigen und stürmischen Charakter hatte und eine angestrengte äußere Tätigkeit liebte, auch ohne Arbeit nicht leben konnte, so erschien mir ein tätiger Orden auf jeden Fall das Richtige.“ Aber welch furchtbar schwere Berufskrisen sollten ihr später gerade aus dieser Wahl erwachsen. Doch schon 1882, als sie im Mai Exerzitien in Münster macht, kommen ihr ernsthafte Zweifel, ob sie sich den Ordensberuf nicht einbilde.
13. Folie: Herz-Ausschnitt (aus dem Bild von Joh. Eudes)
Eine immer stärkere Liebe zu Christus erfüllt Maria, für die sie keine anderen Worte findet als die der menschlichen Liebe. Sie versteht sich als Braut. Wie anders soll sie die Nähe zu dem, der sie ruft, beschreiben? In überschwenglichen Worten teilt sie ihre innere Verfassung mit: „Magnificat anima mea Dominum et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo, quia respexit humilitatem ancillae suae.“ Wenn man aber annimmt, daß Maria aufgrund tiefer, ich sage auch mystischer Erfahrungen äußerlich verwandelt gewesen sei, trifft das allerdings nicht zu. Marias Mutter schreibt nach deren Tod ihrem ersten Biografen, dem P. Chasle in Angers: „Je besser wir in Ihrem Buch unser Kind wiedererkennen, desto lieber wird es uns sein, und desto mehr wird es Gutes stiften bei denen, die gern kämpfen möchten wie Maria, aber nicht den Mut dazu finden.“ „Zwei Seelen, ach, in meiner Brust“ – wer kennt das nicht. Und wenn es immer nur zwei wären! Maria kennt sich selbst recht gut, und sie hat nicht umsonst Bedenken, ob sie das Ordensleben wohl schaffe, denn die Eruptionen ihres keineswegs gebändigten Temperaments brechen zuweilen fast mit der Gewalt eines Naturgeschehens hervor. Maria mußte wohl auf diesem Weg das unerschütterliche Fundament der Demut legen, das Grundlage aller Heiligkeit ist. Und so eigenwillig und selbstbestimmt Maria sonst ist: in puncto innerer Erfahrungen verläßt sie sich vollständig im Gehorsam auf ihre geistlichen Begleiter. So groß ist ihre berechtigte Furcht vor Täuschung und krankhaften Einbildungen auf ihrem außergewöhnlichen Weg.
Provokation bringt sie in Harnisch und Abwehrstellung. Die Ungeduld mit sich selbst wirkt sich auch auf jene aus, die sie veranlaßten. Und hier stoßen wir auf eine ungewöhnliche Tragik: Gerade im Verhalten gegen ihre Mutter fehlt Maria am meisten. Beide haben charakterlich ungemein viel Ähnlichkeit. Die resolute Gräfin Helene glaubt die zu große Milde ihres Mannes durch umso größere Strenge ausgleichen zu müssen . Die schon erwachsenen Brüder opponieren dagegen, und Maria hält sich den Brüdern gegenüber mit ihrer Meinung über die Mutter nicht zurück. Der Mutter gegenüber bewahrt sie die Form, aber bei den Brüdern macht sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Das führt zu einer gewissen Abkühlung der Beziehung zwischen Mutter und Tochter, und solange Maria ihren Charakter nicht mit mehr sichtbarem Erfolg zu zügeln vermag, zweifelt die Erbdrostin – wir können das gut verstehen – ernstlich am Ordensberuf ihrer Tochter. Das wiederum kränkt Maria, und so bewegten sich beide, Mutter und Tochter, in einem Teufelskreis. Ich will das nicht beschönigen. Ihr inneres Gleichgewicht geriet zeitweise außer Kontrolle.
Es klingt alles so paradox und ist es ja auch in der Tat. Waren schon die inneren Kämpfe, die Maria durchzustehen hatte, vor den meisten verborgen, absolut unbekannt war der damals schon ganz tiefe und mystische Verkehr mit dem Herrn, der ihr auch Stunden großen inneren Friedens, begnadeten Betens schenkte. Der geistliche Begleiter macht sich deswegen Sorgen und ermahnt sie, sich umso mehr des eigenen Nichts bewußt zu sein und nicht unruhig zu werden, wenn Kälte und Unlust am Gebet wie dunkle Wolken den Himmel verhüllten. Nicht auf das Gefühl seiner Nähe käme es an, sondern auf den Willen, der ganz auf den Herrn gerichtet sei. Das sei echte Liebe, die sich durch Treue bewähren solle.
14. Folie: Maria mit ca. 23 Jahren
Maria lebt in einer Warteschleife, wie wir heute sagen würden. An Klostereintritt ist noch nicht zu denken. Sie lebt wie ihre anderen Schwestern auch, nimmt an den üblichen gesellschaftlichen Veranstaltungen des Adels teil, zu denen auch die winterlichen Bälle in Münster gehörten. Außer den allernächsten Verwandten weiß noch niemand von ihren Klosterabsichten. Doch Maria wacht über ihr Herz, nachdem einer, er soll Arnim geheißen haben, ihr den Hof macht und sie sich erneut entscheiden muß. Nach ihren eigenen Aufzeichnungen hinterließen diese Feste eine große Leere in ihrem Innern. Der Gesundheit halber kurt sie in Borkum, Norderney und Bad Soden. Doch der Husten bleibt und mit ihm Marias Ungeduld. Pater Hausherr ermutigt sie, ihre Zukunft ganz dem Herrn zu überlassen. Er arbeite eben an ihrem ungestümen, heftigen Charakter, um ihn zu zähmen und gelenkig zu machen für das spätere Leben, zu dem er sie erwählt habe. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Dann, ohne Vorankündigung, hat Maria am Herz-Jesu-Fest in der Schloßkapelle eine tiefe Christuserfahrung. „Ich hatte eben kommuniziert, ganz vereinigt mit dem Herrn, berauscht von den Wonnen seines Herzens, als ER mir sagte, nicht mit einer Stimme, die in den Ohren erklang, sondern mit jener inneren Stimme, die ich damals noch nicht kannte, die mir aber heute so vertraut ist: „Du wirst eine Braut meines Herzens sein.“ Maria ist bestürzt, beschämt, wie überflutet und überglücklich. Sie fragt P. Hausherr, ob sie sich nicht vielleicht täusche und anmaßend sei. Er beruhigt sie: „Wie können Sie das sagen, wenn ER selbst Sie erwählt?“
Aber: „Es ist schwer, Dinge, die ganz himmlisch sind, mit menschlicher Zunge zu erklären.“, schreibt Maria später. Der Herr selbst machte sich zu ihrem Lehrer, unterwies und tröstete sie. “O wenn die Pfarrkirche von Darfeld erzählen könnte, was da zwischen mir und IHM vorging:“ (Selbstbiografie) „Ich war nicht mehr ich, ich war in IHN hineinversenkt, eins mit IHM.“
15. Folie: Geheimnis des Königs/Schlosskapelle in Darfeld
Niemand ahnte etwas von dem, was sich in der ersten Bank der Evangelienseite in der Darfelder Kapelle zugetragen hatte. Ja, die Gräfin Droste gestand später dem Abbé Chasle, sie würde wahrscheinlich nicht an die Worte des Herrn geglaubt haben, wenn sie damals von diesen Vorgängen gewußt hätte. Andererseits sei Maria zu der Zeit aber auch keineswegs verstiegen, sondern absolut einfach und natürlich gewesen. Ich zitiere Maria selbst: „Ich tat immer mein Möglichstes, damit niemand erführe, was in mir vorging.“ (Selbstbiografie). Das äußere Leben verläuft in gewohnter Weise. Maria findet in dem Darfelder Kaplan Bötel einen guten geistlichen Leiter. Aber nur Pater Hausherr wußte von ihrem „großen Geheimnis“.
1885 waren Graf und Gräfin Droste in Rom und hatten eine Privataudienz bei Leo XIII. Die Eltern berichteten dem Papst von ihrer kranken Tochter, die ins Kloster eintreten wolle und für die sie ihn um einen besonderen Segen bäten. Die Mutter notiert nach der Audienz in ihrem Tagebuch: "„Der Heilige Vater erwiderte: Solange sie nicht die erforderliche Gesundheit hat, soll sie nicht eintreten. Das wäre nicht gut, weder für sie noch für die Klostergemeinde. Aber Sie müssen ihr alle Freiheit lassen für ihre Übungen der Frömmigkeit und ihre Werke der Nächstenliebe.“ Maria weiß das natürlich. Und sie nutzt die Gelegenheit zu bitten, im Schloß ein zurückgezogenes Leben führen zu dürfen. Die Sache kam den Eltern zu extravagant und übertrieben und übrigens ganz überflüssig vor. Maria inszeniert ja in der Tat ein kleines Schauspiel, für das es in den Heiligenlegenden durchaus Vorbilder gibt. Aber alles Auffällige ist den Eltern suspekt. Schließlich findet man einen Kompromiß, wie die Eltern meinen. Auf gar keinen Fall soll Maria ein ordensähnliches Kleid tragen. Die Eltern bestehen auch darauf, daß Maria an den Familienmahlzeiten teilnimmt. Im übrigen macht Maria sich eine verbindliche Tagesordnung. Natürlich blieb ihre Zurückgezogenheit nicht verborgen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, daß die lebensfrohe Komtesse das Leben einer Nonne im Elternhaus führe.
Der kostbarste Schatz, den Maria in ihrem sonst von allen anderen unnützen Möbeln entrümpelten Zimmer hütete, war eine Herz-Jesu-Statue, eine kleinere Ausgabe der Figur aus der Schloßkapelle, die die Eltern ihr schenkten. Später nahm sie diese Figur ins Kloster mit und vor ihr habe der Herr ihr einmal etwas mitgeteilt... Diese Figur ist noch erhalten und nach einigen Irrfahrten 1998 in unserem Drostehaus in Hofheim/Taunus angelangt. Zu den wenigen Personen, die Zutritt hatten zu Marias Klausur, gehörte Onkel Oehm, eigentlich Onkel Ferdinand von Galen aus Dinklage, der Vater des späteren Kardinals Clemens August von Galen, des Bischofs von Münster.
16. Folie: Pfarrkirche zu Darfeld um 1884
Wir sind im Jahr 1888. Am 1. Juli bereitet Maria sich in der Darfelder Pfarrkirche auf den Empfang des Bußsakramentes vor. Da kam ihr wie ein Blitz vom Himmel der Gedanke, in den Orden vom Guten Hirten einzutreten, und zwar mit solcher Klarheit, daß sie nicht mehr zwei-felte. Sie ging in den Beichtstuhl und fürchtete sich vor der Frage, seit wann ihr das klargeworden sei. Aber diese Frage kam nicht, sondern die Zusage, daß er sich erkundigen wolle, aber er könne ihr jetzt schon versichern, daß das nichts für sie sei. Nach 3 Monaten und gründlichen Recherchen ändert der Beichtvater seine Meinung und unterstützt den Eintritt beim Guten Hirten. Am 7. November 1888 bittet Maria schriftlich um die Aufnahme, die ihr zum 21. November 1888 gewährt wird. Maria ist am Ziel – meint sie.
Die Ordensfrau
Nach siebenjähriger Wartezeit in der Schleife ist Maria am 21. November 1888 endlich im Kloster vom Guten Hirten in Münster „gelandet“.
17. Folie: Das Kloster der weißen Nonnen/Guter Hirte Münster um 1885
Vier Tage nach ihrem Eintritt schreibt sie ihrer Mutter, ihre Oberin und Novizenmeisterin seien so gut und teilnehmend, als ob sie es sei. Und vierzehn Tage später: „Mit jedem Tag wird mir unser Kloster lieber, und die Überzeugung, daß ich hier am rechten Ort bin, wächst täglich. Es ist hier so schön, wie Ihr es Euch gar nicht denken könnt; dabei ist alles so einfach und resolut, ohne eine Spur von Engherzigkeit und Kleinlichkeit.“ Während ihres sechswöchigen Postulats lernt Maria das Kloster näher kennen, vor allem auch die Arbeit bei den Jugendlichen. Die Oberin Mutter Lamberta Bouchy läßt es sich nicht nehmen, Maria selbst einzuführen.
18. Folie: Mutter Lamberta Bouchy
Und so wird Maria dann am 10. Januar 1889 in Anwesenheit ihrer Eltern und Geschwister in der Klosterkirche eingekleidet. (Es ist dasselbe Jahr und derselbe Tag, an dem in Lisieux die heilige Theresia vom Kinde Jesu eingekleidet wird.) Zu ihrer großen Freude erhält sie den Namen „Maria vom Göttlichen Herzen“, der eigentlich in Deutschland ganz unüblich war.
19. Folie: Er zog mich an sich/Herz-Jesu-Figur aus Darfeld
Den Gottesdienst hält ihr Onkel Max Gereon von Galen, inzwischen Domkapitular in Münster. Ihre Brüder dienen am Altar. (Marias Brautschleier wird in der Familie bis heute hoch in Ehren gehalten. Als die jüngste Tochter des Erbdrosten Max Georg, Clarissa, in Vorhelm heiratete, trug sie diesen Schleier.)
20. Folie: Marias Klosterzelle in Münster
Maria glaubt, nun endgültig den Seelenfrieden gefunden zu haben. Doch der Klosteralltag ist alles andere als ruhig und romantisch. Ihre erste Aufgabe im Noviziat wird der Pfortendienst sein. Sie muß der Oberin die Besuche melden, Botengänge durch das weitläufige Kloster machen, sich um Bettler und Bittsteller kümmern. Maria hat sich beschauliches Ordensleben eigentlich anders vorgestellt. Aber wir dürfen mit Recht vermuten, daß Mutter Lamberta sie möglichst oft in ihrer Nähe haben wollte. In der Tat genießt Maria die besondere Sympathie der 67jährigen Oberin, einer gebürtigen Französin. Sie hatte sich eine Postulantin aus adeligen Kreisen erbeten als Zeichen dafür, daß Gott den Guten Hirten in Münster wolle. So versteht man, daß sie Maria vom Göttlichen Herzen als „meine Postulantin“ betrachtet und sich selbst intensiv um die junge Schwester kümmert.
21. Folie: Maria als Novizin
Die Arbeit an der Pforte bringt es mit sich, daß Maria mehrfach am Tag bei der Oberin vorsprechen muß. Bald vertraut sie ihr auch private Probleme an. Mit der Novizenmeisterin klappt es weniger gut. Nach einem Jahr gesteht Maria der Oberin: „Es ist mir unmöglich, ihr mein Innerstes zu eröffnen, wie ich es Ihnen gegenüber getan habe, denn ich glaube, von ihr nicht verstanden zu werden (...). Der Charakter unserer Novizenmeisterin ist so verschieden von dem meinigen.“
Wegen ihrer schwachen Gesundheit kann Maria einige Punkte der Ordensregel, besonders die kirchlichen Fasttage, nicht einhalten. Die Oberin suspendiert sie davon. Sofort befürchtet Maria, die anderen Schwestern könnten das als Bevorzugung sehen: „Am empfindlichsten war es mir zu sehen, daß einige Schwestern zuweilen an die Stellung dachten, die ich in der Welt eingenommen hatte. Ich verlangte danach, nicht nur selbst all das zu vergessen, auch die anderen sollten nicht mehr daran denken.“ Aber so leicht geht das nicht. Wenn die gräfliche Kutsche vor dem Kloster hält, recken nicht nur die Nachbarn, sondern auch die Mitschwestern die Hälse. Kein Wunder, daß Maria die Besuche ihrer Eltern und Geschwister unangenehm werden. Sie stürzt sich in ihre Aufgabe, schreckt vor keiner Arbeit zurück, weder von dem alltäglichen Kleinkram vom Schuhputzen bis zum Aufwischen, noch vor dem Heuen auf der Klosterwiese bei sommerlicher Hitze.
„Sie hatte geradezu eine Vorliebe für niedrige Arbeiten“, erinnert sich eine Mitschwester. „Wenn die Novizinnen solche zu verrichten hatten, fehlte sie niemals. Lebhaft, wie sie war, wußte sie in der Rekreation alle zu amüsieren; besonders verstand sie es, junge Schwestern aufzuheitern, wenn sie eine traurig sah.“ Die Novizenmeisterin, Schwester Maria vom Herzen Jesu Detering, sieht ihre Novizin mit kritischeren Augen: „Ich bemerkte an ihr Tugenden und Fehler wie bei anderen Novizinnen. In bezug auf ihr eigenes Urteil fand ich sie etwas hartnäckig. Sie hielt fest an ihrer Meinung und wollte bei ihren Gefährtinnen das letzte Wort haben. Sie wollte nicht autoritär sein, aber sie war es, und sie neigte, wie mir schien, etwas zur Herrschsucht, war auch manchmal ein wenig rücksichtslos gegen andere und etwas kindisch. Sie konnte sehr laut lachen; in der Rekreation sprach sie sehr viel, und man mußte zuweilen sagen: Nicht so laut! Man liebte sie, aber die Schwestern, welche dieselbe Arbeit mit ihr verrichten mußten, hatten zuweilen Schwierigkeiten.“
Man kann sich gut vorstellen, was sich hinter der Zimmertür der Novizenmeisterin im Gespräch mit Maria abspielte. Diese kannte sich allerdings auch selbst recht gut. In den Exerzitien 1889 geht sie mit sich ins Gericht. Alles soll jetzt anders werden: Und wie das anders wird! „Nicht halb, sondern ganz, nicht etwas, sondern alles. Das klingt doch ganz nach Mutter Droste. Und Maria meint, mit einem starken Willen es schaffen zu können. Und so räumt sie dann gründlich auf. Als erstes will sie den Kontakt mit der eigenen Familie einschränken. In der ihr eigenen, schroffen Art schreibt sie nach Hause, man möge sie „mit Besuchen verschonen“, sie ginge nicht gern ins Sprechzimmer. Und sie fügt hinzu: „Was von den Besuchen gilt, gilt auch von den Briefen: Ich darf nicht schreiben und habe auch keine Zeit dazu.“ Dem verärgerten Vater teilt sie mit: „So komme ich denn jetzt, um Dir zu sagen, daß ich für die Zeit meines Noviziates ganz in der Einsamkeit bleiben muß, und wir dem lieben Gott den mündlichen wie den schriftlichen Verkehr zum Opfer bringen müssen.“ Die Eltern sind betroffen. Und sicher hätte sich Maria durchgesetzt, wenn nicht die Oberin angeordnet hätte, daß sie wenigstens viermal im Jahr Besuch von ihren Eltern und Geschwistern empfangen solle. Es sei gut für Maria, ihrem frommen Eifer auch in diesem Punkt Grenzen zu setzen. (Welche anderen Punkte noch mitspielen, teilt sie uns leider nicht mit.)
22. Folie: Joh. Eudes
Der hl. Johannes Eudes ist der eigentliche Gründer der Schwestern vom Guten Hirten. Er ist auch der Begründer der liturgischen Herz-Jesu-Verehrung. Ich vermute mal, dass Maria das vor ihrem Eintritt nicht wusste. Er hat den Schwestern auch ein kostbares Erbe geschenkt: das 4. Gelübde des apostolischen Eifers, das die Gemeinschaft an die Seite von Frauen und Mädchen stellt, die vom Leben schwer gebeutelt sind.
Maria wird bei den Mädchen eingesetzt, um vor der Profeß das Apostolat der Schwestern vom Guten Hirten besser kennen zu lernen. Sie geht die Erziehungsarbeit mit Begeisterung an. Die fröhliche Novizin ist bald eine beliebte Erzieherin. In ihren Erinnerungen schreibt sie: „Einzig dem Herzen Jesu schreibe ich den guten Erfolg zu, den ich bei meinem Verkehr mit den Kindern hatte. Oftmals, wenn der Fall verzweifelt schien, ebnete ER alle Schwierigkeiten.....Und wenn ich einzelne Mädchen bevorzugte, so waren es stets die Unglücklichsten und Abstoßendsten.“
Oft ist in Marias Aufzeichnungen anstatt des Wortes „Kinder“ der Begriff „Büßerinnen“ gebraucht. Man ging davon aus, daß sie Sünderinnen waren und zum Zweck der Bekehrung aufgenommen wurden. „Gefallene Mädchen“ nannte man sie und nennt sie so bis heute. Daran hat sich leider wenig geändert. In den allermeisten Fällen sind Frauen aber nicht Täter, sondern Opfer. Opfer oft schon seit frühester Kindheit von Inzest und sonstiger sexueller Gewalt. Sie haben von Kindesbeinen an gelernt, menschliche Zuwendung durch sexuelle Verfügbarkeit zu erhalten. So sind sie oft zu echter menschlichen Beziehung oder Bindung unfähig gemacht worden. Darin sehe ich auch den Wehruf Jesu: Wer einem von diesen Kleinen Ärgernis gäbe, dem wäre der Mühlstein um den Hals und die Versenkung damit ins Meer angemessen. In der Kirche und bei uns im Orden sind die alten Vorurteile (hoffentlich) gefallen. Haben die Schwestern früher gelobt: „zu arbeiten am Heil der Seelen, die in dieses Haus eintreten, um sich zu bekehren“, so heißt es heute in unserer Ordensverfassung: „...Wir verkünden die Botschaft der Versöhnung durch ein Apostolat der Liebe und der Evangelisation, das sich an Menschen wendet, die durch die Sünde und ihre Folgen verwundet sind....., deren Leben nach der Heilung und Rettung schreit, die Jesus allein geben kann...Wir sind zutiefst ihrer menschlichen und geistlichen Heilung und ihrer ganzheitlichen Entwicklung verpflichtet. In unserem Apostolat arbeiten wir mit an der Veränderung jener Umstände, die andere Menschen zu einer Randexistenz verurteilen. (Sendung und Geist unserer Gemeinschaft, 6)
Das sind ganz neue Töne, die zeigen, welche Entwicklung wir durchgemacht haben. „Der Heilige Geist ruft uns auf, die richtige Antwort auf die ständig auftauchenden neuen Notlagen zu finden. Der wesentliche Kern unserer Sendung bleibt unverändert; ihre äußeren Formen sollten jedoch dynamisch sein und sich fortentwickeln.(7. Konst.) Wenn die Gemeinschaft der Schwestern vom Guten Hirten heute eine NGO ist, eine Nicht-Regierungs-Organisation mit beratender Stimme und einer ständigen Vertreterin bei der UNO in New York, so ist das der Gehorsam gegenüber unserem Ordensauftrag, zu den Menschen zu gehen und ihnen zu helfen, daß sie „Leben in Fülle haben“.
Maria vom Göttlichen Herzen hat in ihrer Zeit und mit den Möglichkeiten ihrer Zeit versucht, ihre ganze Liebe und Zärtlichkeit den Kindern zu schenken, die ihr anvertraut waren. Was wir später an ihr in Porto sehen, ist ansatzweise schon in ihrer münsteraner Zeit zu erkennen: der ganzheitliche Ansatz von Heilung. Es genügt ihr nicht, daß die Mädchen hauswirtschaftliche Fertigkeiten erlangen, sondern Maria ist besorgt um die Zeit danach, um gute Stellen oder Pflegefamilien. In einem uns bekannten Fall vermittelt sie eine Jugendliche zu ihrer Mutter auf das Schloß Darfeld.
Maria fühlt sich zu dieser Zeit wie der Fisch im richtigen Wasser.
Aber es kommt, wie es kommen mußte. Das Leben in der großen Schwesterngemeinschaft, die Aufsicht bei den Mädchen und der Dienst an der Pforte lassen Maria immer weniger Zeit für die ersehnte Ruhe und Beschaulichkeit. Sie hat das Gefühl, ihr Gebets- und Seelenleben komme zu kurz. Und etwa 6 Monate nach dem Eintritt bahnt sich die erste Krise an, die nicht die letzte sein sollte: „Ich begann an meinem Beruf zu zweifeln, nicht an meinem Ordensberuf – an dem zweifelte ich niemals - , aber ich fühlte eine so starke Neigung für ein strenges Leben in einem beschaulichen Orden, daß ich meinte, es sei nicht meine Berufung, Ordensfrau vom Guten Hirten zu sein...“ Die Freude am Beruf wich. Vom Morgen bis zum Abend fühlte sie eine Last auf sich, die ihr mitunter unerträglich schienen.
Man muß sich, um Maria zu verstehen, in das Verständnis von Ordensleben begeben, das das 19. Jahrhundert hatte. In der Zeit des industriellen Aufbruchs und der städtischen Verelendung waren mehrere geistliche Gemeinschaften entstanden, die diese neue Herausforderung aufgenommen hatten. Aber – und jetzt wird es schwierig – es gab kein Modell für ein apostolisch-kontemplatives Ordensleben. Man übernahm Strukturen monastisch-kontemplativer Orden, um kirchlich und gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Und vor allem, und das ist bis heute so gängige kirchliche Wertung: das eigentliche Ordensleben ist doch das beschauliche. Je mehr das Offizium gepflegt, die Klausur gehütet wird, desto „strenger“ ist die Gemeinschaft. Es ist auch kein Geheimnis, daß das kirchliche Leben des 19. Jahrhunderts spirituell arm war. Man lebte in dem Dualismus Welt-Kloster, beschaulich-caritativ tätig, wir könnten auch den Apostel Paulus zitieren mit seinem Dualismus Fleisch-Geist. Die Welt wird grundsätzlich verdächtigt, von Gott wegzuführen. Obwohl wir Christen den Auftrag bekamen, Sauerteig zu sein und damit die „Welt“ aufzumischen und zu verändern, ist diese Irrlehre bis heute nicht auszurotten. Diese Überlegungen waren Maria natürlich noch sehr fern. In diesem Punkt ist sie halt Kind ihrer Zeit.
In der Karwoche 1890 kommt Maria zu einer tiefen Einsicht, die sie wie eine Stimme Gottes in sich vernimmt: „Wenn du arbeitest, so arbeite ich durch dich. Wenn du ruhst, so ruhe ich in dir, kurz, in allem, was du tust, sollst nicht mehr du es sein, sondern ich. Habe keinen anderen Willen mehr als mich. Ich sehe mit deinen Augen, arbeite mit deinen Händen, spreche mit deinem Mund, ich bete durch dich.“ Hier hat sie die Antwort auf ihre Fragen. „Ich ergreife das Kreuz des Ordenslebens“, notiert sie. Damit sagt sie Ja zu den lebenslänglichen Spannungen zwischen Aktion und Kontemplation. Man sollte meinen, jetzt sei endgültig Schluß mit den inneren Auseinandersetzungen bezüglich des beschaulichen Weges. Aber weit gefehlt. An Mut-ter Lamberta schreibt sie wenige Wochen vor der Ewigen Profeß (die damals direkt nach dem Noviziat abgelegt wurde): „Sie wissen nicht, wieviel ich seit 1 ½ Jahren gelitten habe. Innere und äußere Schwierigkeiten..... erhoben sich mit solcher Gewalt, daß ich oft wie vernichtet war.“ Später gesteht sie, daß sie kurz vor dem Übertritt in eine benediktinische Gemeinschaft stand. Die Oberin versucht, Maria beizustehen. Aber in ihrer eigenen Abgeklärtheit erkennt sie offensichtlich nicht, wie groß Marias Nöte sind.
Erschwerend kommt hinzu, daß Maria im Kloster keinen geeigneten Priester findet, der ihr ein kluger geistlicher Begleiter gewesen wäre. Der aktuelle Beichtvater scheint sich mit der Absolution seines frommen Beichtkindes begnügt zu haben. Immerhin hatte er aber doch vor der Ewigen Profeß ein ermutigendes Wort für Maria: „Gott hat Ihnen solche Eigenschaften gegeben, daß Sie Großes für seine Ehre tun können. Nur müssen Sie sich ganz in Seine Hände geben.“ Dieser Ratschlag gab den Ausschlag für Marias endgültige Entscheidung.
Der Profeßtag wird auf den 29. Januar 1891 festgelegt. Bischof Dr. Hermann Dingelstad, der Marias Gelübde entgegengenommen hat, überreicht ihr das Profeßkreuz mit den Worten: „Empfange dieses Kreuz, und nach dem Beispiel unseres Herrn bleibe bis zum Tod ans Kreuz geheftet...“ Dem Brauch entsprechend, formuliert Maria auch ein paar persönliche Anliegen. Sie bittet „um die Gnade eines innerlichen, beständig mit Gott vereinigten Lebens, auch inmitten der äußeren Beschäftigungen.“
23. Folie: Ich habe dich erwählt/Maria als Professe 1894
Und Gott nimmt Maria schon wenige Wochen nach der Ewigen Profeß beim Wort. Am 4. Juni 1891 stirbt Mutter Lamberta Bouchy. Maria ist erschüttert, denn alle Kämpfe und Stürme des Noviziates hatte diese große Frau mitgetragen. Maria war gewohnt, ihr alles zu sagen und sich in kleinen und großen Dingen an sie zu wenden. Bei ihr fand sie immer ein offenes Herz und Ohr und zu ihr hatte sie eine tragende Beziehung. Es war wohl so etwas wie eine Seelenverwandtschaft. Plötzlich bricht dieser tragende Grund weg.
Wenige Tage später wird die bisherige Oberin von Berlin-Reinickendorf, die 36jährige Agnes Nacke, zur Provinzoberin in Münster ernannt. Marias Novizenmeisterin, Sr. Maria vom Herzen Jesu Detering, wird Oberin in Berlin-Reinickendorf, und Sr. Theresia Wissing, die bisherige Leiterin der Herz-Marien-Klasse in Münster, übernimmt die Verantwortung für das Noviziat. Ein Wechsel, den Maria mit gemischten Gefühlen betrachtet, ahnt sie doch, was auf sie zukommt. Am 31. Juli 1891 wird sie zur Nachfolgerin von Sr. Theresia Wissing als Leiterin der Herz-Marien-Klasse bestimmt. Von heute auf morgen übernimmt sie die volle Verantwortung für fast hundert Kinder. Sie betet: „Mein Gott, ich kann nichts, du mußt alles tun“. Ihrer Mutter schreibt sie dagegen augenzwinkernd: „Ich muß Dir gratulieren. Du bist mit einemmal Großmutter von 97 Enkelkindern geworden.“
Maria hat ein natürliches pädagogisches Geschick. Mit Liebe und Festigkeit kommt sie ihren Kindern entgegen. Sie glaubt an das Gute in ihnen, und das spüren sie. Die besonders schwierigen Fälle haben es ihr angetan. Auch die Pflege der kranken Kinder behält sie sich vor, was dazu führt, daß sie mehr als einmal angesteckt wird und das Bett hüten muß. „Die unglücklichsten, verlassensten und ärmsten Kinder habe ich am liebsten,“ sagte sie oft, „sie sind meine Schätze.“ Maria hat in ihrer apostolischen Arbeit Erfolg und Erfüllung. Aber es bleibt ein anderes Problem. Es fehlt ein Mensch, mit dem sie sich über ihre religiösen Erfahrungen austauschen kann. Mit der neuen Provinzialin kommt ein solcher Austausch nicht zustande. Wir dürfen vermuten, daß Agnes Nacke selbst durch Marias Persönlichkeit irritiert war. Sie will Reformen im Kloster einleiten, bemüht sich um eine Änderung in der Handhabung der Klausurvorschriften, die den Arbeitsalltag behindern und anderes mehr. Die eher konservativ eingestellte Maria schaut mit Skepsis zu und fühlt sich der neuen Oberin gegenüber „fremd.“
Was hat Gott mit ihr vor? Sie arbeitet auf ihre gewohnte Art bei den Kindern, ist hin und wieder krank. Es passiert nichts Aufregendes in der folgenden Zeit. Dann kommt es umso gewichtiger.
Januar 1894. Im Kloster vom Guten Hirten bereitet man den Namenstag der Oberin vor. Maria probt mit ihren Kindern Lieder und ein kleines Theaterstück. Alle sind in bester Stimmung. Da trifft aus dem Mutterhaus Angers ein Brief an die Provinzialoberin ein. Es ist die Ernennung von Sr. Maria vom Göttlichen Herzen zur Assistentin der Oberin von Lissabon, Anna von Schorlemer, einer westfälischen Adeligen. Mutter Agnes Nacke bringt es nicht übers Herz, der Betroffenen selbst den Inhalt des Briefes sofort mitzuteilen, sondern benachrichtigt erst einmal die Familie in Darfeld. Am 22. Januar erfährt Maria von ihrer Versetzung. Inzwischen packte man in Darfeld schon die Koffer. Die Eltern waren gebeten worden, Maria nach Angers zu begleiten. Diese hat nur 2 Tage Zeit zum Nachdenken und Abschiednehmen. Ob man sie in Münster loswerden wollte? Dieser Zweifel löst sich in Angers. Die Generaloberin Mutter Marina Verger berichtet, daß die verstorbene Mutter Lamberta Bouchy sie dort empfohlen habe. In Lis-sabon wird bereits gemunkelt, daß Maria nicht lange dort bleiben werde, sondern bald nach Angers für Leitungsaufgaben zurückkehren würde. Immerhin führen westfälische Adelige bereits zwei wichtige Niederlassungen auf der Iberischen Halbinsel: Barcelona und Lissabon.
24. Folie: Mutterhaus in Angers
Über Köln und Paris geht die Reise mit den Eltern nach Angers. Dort verabschiedet sie sich von ihnen. Am 3. Februar 1894 beginnt die Reise nach Lissabon über Perpignan, Barcelona, Manresa und Madrid. Anna von Schorlemer ist ihrer neuen Assistentin bis Porto entgegenge-fahren und nimmt sie dort in Empfang.
25. Folie: Kloster in Porto, Foto von 1982
Dort bleiben sie einige Tage. Mit ihrem scharfen Blick hat sie sofort erkannt, wie es um den Konvent dort bestellt war. Und in ihrer unnachahmlich direkten Art schreibt sie an die Generaloberin nach Angers: „Was das arme Haus in Porto betrifft, so muß eine jede von uns viel helfen durch Gebet und Opfer, damit endlich der Segen Gottes auf dieses schwergeprüfte Haus herabkommt. O welches Unglück, liebe Mutter, wenn der Ordensgeist in einer Kommunität verlorengeht! Der liebe Gott entzieht seine Gnade in seelischer und materieller Hinsicht. Die neue Oberin wird noch viel zu leiden haben, bevor alles geregelt und geordnet sein wird. Am bedauernswertesten sind die armen Kinder, die seit Jahren vernachlässigt und schlecht geleitet werden... Wirklich, liebe Mutter, diese Dinge haben mir wehgetan, denn in Münster war alles so gut geordnet...“
In Lissabon angekommen, wird Maria nach kurzer Zeit Leiterin der Kinder. Die neue Klasse ist eine Herausforderung für Maria. Sie findet, daß in der Klasse ein guter Geist herrscht und daß die Kinder im großen und ganzen leicht zu leiten sind. Sie lernt eifrig die fremde Sprache, merkt allerdings, daß die Vokabeln sich nicht mehr so schnell einprägen wie in der Jugend. An ihren Bruder Max schreibt sie: „Unsere Mutter hat mir eine neue große Grammatik gekauft, die ich am liebsten in den Ofen stecken würde. Doch bleibt mir nichts anderes übrig, als die Nase hineinzustecken und an der Feder zu kauen, wie früher bei einem lateinischen Pensum.“
Das Amt als Assistentin übt Maria nach bestem Können aus. Nach Münster schreibt sie, daß das Leben in einer so kleinen Kommunität ihr schwerfalle, andererseits sei sie in größerer Ruhe. Die Schwestern seien sehr gut, sehr liebevoll und zuvorkommend, aber im kleinen Kreis machten sich bei der Verschiedenheit der Charaktere auch leichter die Schwierigkeiten bemerkbar. Dem Onkel Weihbischof vertraut sie an: „Wir haben nie Predigt, und Du könntest wirklich mal herüberkommen, uns eine Konferenz zu halten...“ I
Ansonsten scheint sich alles zum Besten zu entwickeln. Das Klima in Lissabon bessert Marias Gesundheitszustand, sie fühlt sich nicht mehr so kraftlos, kann sogar wieder am Offizium teilnehmen und das Amt der Chorleiterin und Organistin ausüben.
Die Mitschwestern erinnern sich, sie habe viel über ihre Jugendzeit und ihre Heimat erzählt: „Sie war außerordentlich lustig in der Rekreation und hätte Steine zum Lachen bringen können.“ Maria richtet sich auf eine längere Zeit in Lissabon ein.
Doch es kommt, wie es kommen mußte: ganz, ganz anders. Ende April kommt ein Hilferuf aus Porto. Die neue Oberin ist nach kaum 3 Monaten völlig zusammengebrochen. „Sie hat sich vollständig abgearbeitet“, schreibt Maria nach Darfeld. „Unsere Mutter hat nach Angers berichtet. Helft doch beten, damit der liebe Gott alles zum Besten lenkt.“
In der Nacht zum Pfingsttag, dem 12. Mai 1894, trifft ein Telegramm aus Angers ein. Anna von Schorlemer und Maria werden geweckt. Die beiden Frauen öffnen das Schreiben der Generaloberin. Es ist die Ernennung der 30jährigen Schwester Maria vom Göttlichen Herzen zur Oberin von Porto.
26. Folie: In den Gassen von Porto
Mission in Portugal
Wir kommen hier zum schwierigsten Teil im Leben der Maria Droste zu Vischering. Wir dürfen nach dem Zeugnis glaubwürdiger Personen wie Don Theotonio, Abt Ildefons Schober u. a. annehmen, daß Maria intensive Christusbegegnungen hatte. Wie wir das auch immer nennen mögen: Einsprechungen, Visionen, Maria hat in großem Maß Glück und Leid dieser besonderen Berufung an sich erfahren, die schon in jungen Jahren an sie ergangen war. Sie meinte, das sei normal, und allen Gläubigen ginge es so – bis sie merkte, daß niemand sie verstand. Das wiederum führte zu tiefster Verschwiegenheit über alle seelischen Vorgänge. Nur in der Sorge, vielleicht getäuscht zu werden oder Halluzinationen zu erliegen, begab sie sich in großem Gehorsam (den man sonst an ihr kaum verstehen könnte) in die Leitung erfahrener geistlicher Begleiter.
Schon ganz früh spricht der Herr sie an mit ihrem Namen, er nennt sie „meine Braut“, „Braut meines Herzens“. Ich geniere mich ein wenig, mich dieses Vokabulars zu bedienen. Und doch möchte ich versuchen, diese mystische Komponente im Leben Marias näher anzuschauen und Ihnen einfach zu bedenken zu geben. Wenn Maria in ihren Niederschriften häufig den Wert der Jungfräulichkeit beschreibt, dann finden wir dafür gute Argumente schon im Alten und sodann auch im Neuen Bund. Daß jeder Mensch, ob Mann oder Frau, seine Anima oder ihren Animus in sich entfalten muß, um ganz Mensch zu sein, ist heute gottlob psychologisches Allgemeinwissen. Henri Boulad, ein ägyptischer Jesuit, meint: „Ob Ordensfsrau, ob Ehefrau, ob Mutter oder kinderlos: jede Frau versucht, ihrer weiblichen Natur entsprechend, bewußt oder unbewußt, diese drei Aspekte ihres Lebens zu verwirklichen: die Jungfräulichkeit zu erhalten, die Mutterschaft auszuwirken und das Vermähltsein zu meistern, um ihre Berufung ganzheitlich zu erfüllen.“ (Starkes Tun, stärkeres Sein, O. Müller-Verlag 1997).
Das Wort „Jungfrau“ hat einen magisch-beschwörenden Klang. Es suggeriert Begriffe wie Reinheit, Unschuld, Arglosigkeit, etwas, das seine natürliche Frische bewahrt hat. Aber, wofür bewahrt, lautet für mich die entscheidende Frage. Jungfräulichkeit ist mehr als ein intaktes Hymen. Sie ist die ursprüngliche Lebendigkeit und Ungeteiltheit eines Herzens, das sich so vollständig geben kann. Dieser Aspekt der Jungfräulichkeit bleibt immer bestehen und kann auch durch den Ehevollzug nicht gelöscht werden. Er gibt einer lebenslangen Liebe den täglich neuen Lebensatem und wird sie im Blütenstadium frisch erhalten.
Maria Droste zu Vischering hat das intuitiv begriffen, ohne diese theoretischen Überlegungen anzustellen. Sie spricht von ihrem Verlobungstag, ihrem Verlöbnis, denn der Begriff der Jungfräulichkeit ist eng verbunden mit dem Begriff „Verlöbnis“. Hier drängt im Stillen eine Liebe in der Kraft des Knospens, es geht geistig gesehen um einen Tiefenraum heftigen Sehnens und Erwartens. Die Verlobten leben auf die Einlösung eines gegenseitigen Versprechens hin – in noch unbekannter Zeit. Dieser geistige Zustand bleibt in der Schwebe, will in dieser Spannung gehalten und ständig aufs neue gepflegt werden. „Denn die Flamme des Verlangens ist das Kostbarste und das Wesentliche in jeder Liebesbeziehung.“ (Henri Boulad) Maria Droste zu Vischering scheint dieses Drängen, diesen „ anhaltenden Durst am Brunnenrand“ (H. Boulard) gekannt zu haben. Bleiben wir noch ein wenig bei dieser Tiefenbetrachtung. Aus der Mitte einer jeden Liebe entspringt der Augenblick der Wahl. Lieben heißt, sich hinschenken an ein einziges Wesen unter hundert anderen, die man persönlich kennt, und dieses Wesen wird zum Auserwählten, an den man sich mit Leib und Seele bindet. Für Maria Droste zu Vischering war dieses Wesen ihrer Wahl nicht aus Fleisch und Blut, es war der Herr selbst, sein göttliches Herz. Eine solche Lebensentscheidung bedeutet aber den bewußten Ausschluß aller anderen Wesen, weil diese Wahl Exklusivanspruch erhebt. Denn wahre Liebe konzentriert und polarisiert alle affektiven und menschlichen Kräfte gegenüber einem einzigen, unersetzlichen und unaustauschbaren Wesen.
Die gottgeweihte Jungfräulichkeit würde ihr Lebensziel verfehlen, wenn nicht auch sie in Fruchtbarkeit mündete, denn ohne diese Fruchtbarkeit könnte sie sich vor niemandem und nichts rechtfertigen. Ja, ich sage aus tiefster Überzeugung: sie ist unmoralisch, wenn sie nicht fruchtbar wird. Die Jungfräulichkeit trägt ihren Sinn und Zweck nicht in sich selbst, der Sinn will erst erworben werden. Nur durch Zeugung und die Entstehung neuen Lebens muß sie sich ausweisen.
Nach dieser schwierigen Einleitung will ich versuchen, Marias Zeit und Wirksamkeit in Portugal, insbesondere in Porto, aufzufalten.
27. Folie: Oberin in Porto
Ende des 19. Jahrhunderts ist Porto mit seinen rund 200.000 Einwohnern neben Lissabon die bedeutendste Stadt des Landes. Der große Hafen und die Fabriken in der Vorstadt Vila Nova de Gaia haben ein städtisches Proletariat entstehen lassen, wie es im ländlich strukturierten Portugal bisher unbekannt war. Das Land der stolzen Eroberer, Seefahrer und Missionare ist zum Armenhaus Europas geworden. Die sozialen Folgen sind unübersehbar. Der überwiegende Teil der Bauern und einfachen Leute kann weder lesen noch schreiben. Eine allgemeine Schulpflicht bis zum 12. Lebensjahr wird erst 1894 eingeführt. Die Fabrikarbeiter und Tagelöhner in den Städten lehnen eine dekadente und dem Adel ergebene Kirche ab, während das Bürgertum liberalistische Ideen aufgreift. Politisch organisieren sich die liberalen Kräfte in der Republikanischen Partei, die zum Ziel hat, Portugal von der Monarchie und vom Katholizismus zu befreien.
Auf der Straße kommt es immer wieder zu Übergriffen gegen Priester und Ordensleute. Maria berichtet verschiedentlich darüber: „Die Leute hier haben alle Achtung vor Geistlichen und Ordensleuten verloren, was niemand wundern kann, da ja leider vom Klerus vielfach das Verderben ausgeht.“
Das Haus vom Guten Hirten in Porto, erst 1881 gegründet, befindet sich in einer äußerst schwierigen Situation. Langjährige Erkrankung der ersten Oberin, drückende finanzielle Schulden und fehlende Ordensdisziplin bringen das Haus an den Rand des Ruins. Die Schwestern bleiben sich selbst überlassen, die Erziehung der Kinder leidet. Anna von Schorlemer hatte die Probleme erfaßt und ihre eigene Assistentin Sr. Josefa als Oberin in Porto eingesetzt. Nach nur wenigen Monaten bricht Mutter Josefa zusammen. Wir können gut verstehen, daß die Schwestern die Ankunft der deutschen Oberin Maria vom Göttlichen Herzen mit gemischten Gefühlen erwarten. Es ist für sie der 3. Wechsel innerhalb eines Jahres. Eine schwierige Situation für Maria, die am Morgen des 16. Mai 1894 in Porto ankommt.
Als erstes beginnt sie mit einer kritischen Bestandsaufnahme. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Doch das kann Maria nicht abschrecken: „Wenn es so recht was zu kloppen und zu beißen gibt, dann fühl ich mich in meinem Element“, schreibt sie in dieser Zeit. Sie stellt einen Katalog von Sofortmaßnahmen auf: Wiederherstellung der klösterlichen Ordnung, Klärung der wirtschaftlichen Verhältnisse, Renovierung des Hauses. Die künstlichen Wachsblumen und wurmstichigen Holzleuchter in der Kapelle verschwinden als erstes, ebenso die geflickten Paramente. Maria kümmert sich um alle Details. Mit den Schwestern und Kindern übt sie Lieder für die Gottesdienste ein und veranstaltet sogar eine in Portugal damals völlig unübliche Fronleichnamsprozession, allerdings nur im weitläufigen Garten des Klosters.
Die portugiesischen Schwestern müssen erschrocken gewesen sein über die strengen und ihnen zum Teil unverständlichen Anordnungen der neuen Oberin. Es sind überwiegend einfach strukturierte Frauen aus ländlichen Familien, entsprechend ungebildet und auch handwerklich nicht immer geschickt. Manche hatten sich während der Krankheit ihrer vorletzten Oberin ihr eigenes Ordensleben zurechtgemacht. „Sie sind abhängig von ihren Launen, ihren Bequemlichkeiten, ihrem Eigenwillen“, schreibt Maria. „Sie begnügen sich damit, den Buchstaben der Regel zu befolgen, aber sie machen keine Fortschritte. Ohne sich großer Unordnung schuldig zu machen, kommen sie doch niemals über eine gewisse Lauheit hinaus. Sie haben es nicht gelernt, sich zu überwinden; sie drehen sich nach jedem Wind, jede Unannehmlichkeit macht sie schlechter Laune, bringt sie zum Murren und Klagen.“
Damit ist es jetzt aus. Die Gebetszeiten werden wieder eingehalten, der Kontakt zur Außenwelt eingeschränkt. Die Errichtung einer Klausur wird in Angriff genommen. Mit der ganzen Autorität ihres Amtes und mit westfälischem Dickschädel setzt Maria ihre Vorstellungen durch. Entsprechend ist der Widerstand, auf den sie stößt. Einige Schwestern wollen sich in Angers beschweren, andere boykottieren ihre Anordnungen, und die Köchin rächt sich mit verdorbenem Essen, an dem einige Schwestern erkranken. „Wenn Mißbräuche so tief eingewurzelt sind, seufzt Maria in einem Brief an die Generaloberin, „dann ist es nicht leicht, sie auszurotten, da muß man stets Geduld und Wachsamkeit verbinden.“ Nur, mit Geduld hatte Maria schon immer Schwierigkeiten...
Ein Mittel, die Mitschwestern zu mehr Eifer anzuregen, sind ihre wöchentlichen Konferenzen, bei denen sie Vorträge zu religiösen Themen hält. Ihre Lieblingsthemen sind, wie könnte es anders sein, die Herz-Jesu-Verehrung und die Vertiefung des religiösen Lebens im Sinne der hl. Gertrud von Helfta und der hl. Teresa von Avila.
Bezeichnend ist ihre Bemerkung: „Für uns, die wir das tätige Leben mit dem beschaulichen verbinden müssen, ist es sehr wichtig, daß wir inmitten unserer Beschäftigungen den inneren Geist und die Vereinigung mit Gott bewahren lernen.... Es handelt sich nicht so sehr um das, was wir tun, sondern um die Art und Weise, wie wir unsere Pflichten erfüllen“.
Maria ist bei allen anfallenden Arbeiten dabei, ob im Garten, im Haus, in der Küche, beim Putzen, in der Wäscherei oder in der Erziehung bei den Kindern. Peinlich genau achtet sie auf Ordnung und Sauberkeit. Das halb verfallene Haus wird von innen und außen, so gut es geht, herausgeputzt.
Schwierig gestaltet sich die Reform der Klosterfinanzen, da der Kaplan des Hauses, Pater Rua, sich in undurchsichtigen Finanzgeschäften verheddert hatte. Maria bekommt von ihm nur auf nachdrückliches Drängen Auskunft über das wahre Ausmaß der Misere. Mit Klugheit und organisatorischem Talent, und nicht zuletzt aufgrund ihrer in Darfeld erworbenen Verwaltungskenntnisse ist die größte Not abgewendet, wenn viele Probleme auch bis zum Schluß bleiben.
28. Folie: Blick auf Porto 2007
In der Stadt Porto wird man auf die neue Oberin aufmerksam. Es mehren sich die Besuche prominenter Bürger und adeliger Damen. Selbst der Zivilgouverneur läßt eine Spende für die Arbeit der Schwestern überbringen. „Ich gehe sogar schon, wenn es darauf ankommt, allein ins Sprechzimmer und rede ganz flott drauf los“, schreibt Maria im September 1894 ihrer Mutter. „Das ist schon eine Erleichterung, wenigstens die Menschen zu verstehen und sich verständlich machen zu können.“ Marias apostolischer Eifer führt dazu, daß im Sommer schon 130 Kinder das Haus bevölkern. Bald reicht der Platz nicht mehr. Ihre unkonventionellen Methoden zeigen, daß und wie Not erfinderisch macht. „Da uns wieder mehrere Kinder unerwartet zugeführt wurden – eine sozusagen aus der Hölle - , war mit einemmal kein Loch mehr frei. Eins, zwei, drei wurde Rat geschafft: Der Kommunitätssaal wird ausgeräumt in eine kleine Zelle und so Platz gemacht für noch fünf Kinder. Kein Kreuz scheint mir zu groß, als eine Einschränkung bei der Aufnahme der Kinder."
Die Schwestern ermahnt sie: „Schrecken Sie niemals vor einem Opfer zurück, das die Hingabe an unsere Kinder erfordert. Seien Sie erfinderisch, ihnen das Leben in unserem Haus so angenehm wie möglich zu gestalten. Mein Grundsatz, solange noch irgendein Winkelchen frei ist, nie ein Kind abzuweisen, und den Ärmsten, Verlassensten, Schlechtesten stets den Vorzug zu geben, ist so sichtlich vom Göttlichen Herzen gesegnet, daß ich, wenn ich sterbe, den Schwestern diesen Grundsatz als Vermächtnis hinterlassen werde.“
Eine Schwester bestätigt: „Die Kinder betrachteten sie ganz und gar als ihre Mutter. Jeden Tag gab sie selbst Religionsunterricht mit solcher Güte, daß die armen Wesen, die oft überhaupt nichts davon gehört hatten, das größte Vertrauen zu ihr faßten. Besonders gehörte ihr Herz einigen ganz Kleinen von drei bis fünf Jahren, die sie oft zu sich rief, um sie zu erfreuen, zu unterhalten, zu belohnen, sie kleine Spielchen oder Liedchen zu lehren. Das war ihre größte Erholung nach den Arbeiten des Tages. Kranke Kinder versorgt und pflegt sie persönlich.“
Darüber hinaus baut Maria schon damals eine nachgehende Fürsorge aus. Eine Türschwester hat den Auftrag, die Eltern und Pflegefamilien zu besuchen, aus denen die Kinder stammen. Sie hat die entlassenen Mädchen regelmäßig zu besuchen und Maria darüber Bericht zu erstatten. Sie geht mit Empfehlungsschreiben von Maria von Tür zu Tür, um Arbeitsstellen zu gewinnen. Und zu den Hauptfesten des Jahres werden die Ehemaligen eingeladen, einen Tag im Kloster zu verbringen, wo Maria die Gelegenheit nutzt, sich ausführlich mit ihnen zu unterhalten.
Bei all dem wundert es nicht, daß Marias Gesundheitszustand sich derart verschlechtert, daß Mutter Anna Schorlemer sie für eine Auszeit nach Lissabon zitiert. Maria bricht sie nach kurzer Zeit ab, weil sie die Untätigkeit angesichts der Not des Hauses in Porto nicht aushält. Schlaflose Nächte, starke Kopfschmerzen, drückende Sorgen kommen hinzu. Sie erhält zwar auf Bitten von Angers eine Assitentin, die auch die kleineren Kinder betreuen soll. Aber sie ist dieser Aufgabe nicht gewachsen. Die eben erwähnten Kopfschmerzen sind Anzeichen für die sich entwickelnde Rückenmarksentzündung, die im Laufe der Zeit immer aggressiver wird.
Abt Schober – eine neue Phase in Marias Leben.
29. Folie: Abt Ildefons Schober
Doch, wo die Not am größten... Im Herbst 1895 kommt unverhofft Hilfe. Es ist der Abt Ildefons Schober OSB aus der Abtei Seckau in der Steiermark. Mit der Abtei Cucujaes in der Nähe von Porto hatte das Kloster freundschaftliche Beziehungen. Die deutschen Patres halfen im Guten Hirten aus als Zelebranten und Beichtväter. Abt Schober kommt auf seiner portugiesischen Visitationsreise nach Cucujaes. Von den dortigen Mönchen wird er auf die rührige deutsche Oberin aufmerksam gemacht. Diese wiederum nutzt die Gelegenheit, den Abt einzuladen, im Haus
Exerzitien zu halten.
Was Maria mit Abt Schober verbindet, ist der gleiche Auftrag, die Reformation der Konvente. Er wird in den folgenden Jahren ihr geistlicher Berater. Maria ist nach Ildefons Eindruck „von einer gewissen kindlichen Naivität und Offenheit, ohne jede Schminke und angelernte Diplomatie.“ Das führt nicht selten zu unüberlegten Handlungen und Worten, die Gesprächspartner oder Mitschwestern vor den Kopf stoßen. Abt Schober bemerkt zutreffend: „Der Herr beließ – ich gestehe es – diesem Edelstein bis zuletzt ungeschliffene Ecken und Kanten... Wo sie Mängel und Fehler wahrnahm, bei Personen, Sachen und Institutionen, sprach sie es offen aus. Ihr äußeres Auftreten, ihre Gewandtheit in allen Arbeiten und Geschäften, die Art und der Ton ihrer Rede konnten den Schein erwecken, daß im Guten Hirten mehr eine Gräfin wie eine Herrin herrsche als eine Ordensfrau wie eine Mutter schalte.“
Zwischen dem Abt und der Oberin entwickelt sich ein reger Briefverkehr, der wichtige Einblicke ins Marias religiöses Leben erlaubt. Dem Benediktiner fällt jedoch eine fast zwanghafte, „zu enge religiöse Auffassung“ auf, die wohl auf Marias streng katholische Erziehung im Elternhaus zurückzuführen ist. Sie ist aber, meine ich, auch Frucht der theologischen Auffassungen jener Jahre. Ihr ständiges Gefühl der Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit, ihr heftiger Drang, für die Kirche zu leiden, stößt die meisten von uns eher ab. Auch in bezug auf die Armut neigt Maria zu Übertreibungen: Die schlichten Deckenmalereien in ihrer Zelle läßt sie weiß übertünchen, sie trägt geflickte Kleidung und erwartet das Gleiche auch von anderen und kratzt sogar eigenhändig den Goldschnitt von ihrem Gebetbuch ab. Das ist doch des Guten zuviel, meint Abt Schober. Er sieht wohl auch die Gefahr, daß Maria bei solchem Radikalismus vielleicht zu hart wird.
„Solve vincula colli tui – Löse die Fesseln von deinem Hals, gefangene Tochter Zion“, ermuntert er sie. Er ist verblüfft über ihre Reaktion: „Diese Worte schlugen wie ein Blitz in die Seele. Der sichere Boden schien unter ihren Füßen zu wanken. Die Seele lehnte sich förmlich auf gegen das Mehr und Anders, das ich ihr als Gottes Willen bezeichnet hatte.“ Kennen wir das nicht auch? Die strengen Regeln und Normen vermitteln auch ein Gefühl von Sicherheit, alles erfüllt zu haben, während die geistige Freiheit uns unter Umständen führt, wohin wir nicht wollen. Wir möchten so gern Sicherheiten, einen Halogenscheinwerfer haben, der den Weg vor uns weit ausleuchtet. Dann können äußere geistliche Übungen solche scheinbaren Stützen sein. Dabei sagt schon der Psalmist, daß „Dein Wort mir Fußleuchte ist“. Diese hat man sich im Altertum buchstäblich als Ölfunzel an den Fuß gebunden, und sie leuchtete sinnvollerweise immer nur den nächsten Schritt aus. So ähnlich verstehe ich auch Marias massive Reaktion auf die Korrektur von Abt Schober. Ihr Geist wird freigesetzt, die Grenze nach oben ist offen. Das kann Angst machen.
Nachdem der wirtschaftliche Bestand des Hauses gesichert ist – inzwischen wurde das Eigentum am Kloster vom Guten Hirten in Porto auf Marias Vater überschrieben, der dann alle Schulden tilgte -, bricht Maria gesundheitlich zusammen. Ihr Zustand ist so ernst, daß sie die Krankensalbung empfängt. Es handelte sich nach Aussagen der Schwestern um heftige Krämpfe, offenbar hervorgerufen durch eine Entzündung des Rückenmarks. Maria nimmt den Ernst der Lage nicht zur Kenntnis. Sobald es geht, ist sie wieder auf den Beinen. Die Klausur wird errichtet, was eigentlich in Portugal nicht erlaubt ist. Sie hat eine Einladung erhalten zum 50jährigen Profeßjubiläum der Generaloberin in Angers. Mit dieser Reise verbindet sie im Februar 1896 einen Besuch im Guten Hirten von Aachen und am 21. Februar in Münster. Ihr Bruder Max ist ihr bis Köln entgegengefahren. Nur vier Tage kann Maria bleiben, dann tritt sie über Angers wieder die Rückreise an. In Porto wird sie schon am Bahnhof von vielen Menschen empfangen, und das Kloster hat man illuminiert und mit Fähnchen geschmückt. Die Kinder wissen nicht, wie sie ihrer Wiedersehensfreude anders Ausdruck geben sollen. Maria fühlt sich geistig erfrischt und zu neuen Taten aufgelegt. Aber bald versagen die Füße ihren Dienst. Die Rückenschmerzen fesseln sie ans Bett. Am 21. Mai 1896 ist sie zum erstenmal nicht mehr in der Lage, sich aus eigener Kraft aufzurichten.
Von nun an beginnt die „hohe Zeit“ in Marias Leben.
Anfangs kann sie sich noch auf einem Stuhl in das Schwesternwohnzimmer tragen lassen. Ihre Heiterkeit täuscht die Umgebung über die grausamen Schmerzen hinweg, die sie dabei ertrug. Mehrere Ärzte bemühen sich um sie. Diagnose: fortschreitende Rückenmarksentzündung mit der Zerstörung der Nervenbahnen, Lähmungserscheinungen in Armen, Beinen, Schwäche und Appetitlosigkeit. Man versucht es mit Elektroschocks und brennt sie mit glühenden Eisen beiderseits der Wirbelsäule. Maria kann infolgedessen nur noch auf einer Seite liegen. Sie schwebt zwischen Leben und Tod. An Abt Ildefons schreibt sie: „Ich bin auf alles gefaßt; mir scheint, es steht mir eine längere Leidenszeit bevor. Die Untätigkeit benutze ich, um mich umso inniger mit meinem göttlichen Bräutigam zu vereinen.“
Trotz der Krankheit hört Maria nicht auf, Briefe zu schreiben oder zu diktieren und sich um die Belange des ganzen Hauses zu kümmern. Zu ihrer großen Freude erhält sie am 12. September 1896 Besuch von ihren Eltern und ihrem Cousin Wilhelm von Galen, der die Eltern begleitet hat. Die Eltern sind erschüttert. Maria sitzt, von Kissen gestützt, auf einer Liege im Sprechzimmer. „Sie war so voller Lustigkeit, daß wir Tränen mit ihr gelacht haben“, erinnert sich die Mutter später. Aber es dauert nicht lange, da merken die Anwesenden, wie es wirklich um sie steht.
Die Ärzte raten, sie für einige Zeit von allen Pflichten als Oberin zu entbinden. Aber erst muß der Kardinal Amerigo sich persönlich zum Guten Hirten bemühen, um Maria zu verkünden, daß er Don Theotonio, den Vizerektor des Priesterseminars, zum vorläufigen Geschäftsführer des Klosters ernannt hat. Maria beugt sich. Sie akzeptiert sogar, daß eine gelernte Krankenschwester, eine Franziskanerin, sie betreut. Die Mutter fährt dennoch beunruhigt ab. Ganz andere Sorgen bedrücken sie. Maria hatte ihr in wenigen Worten und nur andeutungsweise von jenen Christusvisionen erzählt, die sie in den entscheidenden Augenblicken ihres Lebens empfing, und die sich während des Krankenlagers in Porto mehren. Die Gräfin fürchtet, ihre Tochter sei psychisch krank oder flüchte sich in religiöse Phantasien.
In Porto dagegen verbreitet sich der Ruf, die schwerkranke Oberin vom Guten Hirten sei eine Heilige. In den Kirchen wird um ihre Genesung gebetet. Da eine Inflationswelle das Land erfaßt hat und die Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen, läßt Maria für die Armen eine tägliche Speisung einrichten. Aber es geht um mehr als um materielle Not. Immer mehr Menschen klopfen an die Klosterpforte und bitten um ein Gespräch, Adelige, einfache Leute, Priester und Laien. Maria rettet Ehen, veranstaltet Taufen und Erstkommunionen, bemüht sich um Arbeitsstellen, bringt Kinder in Internaten unter, besorgt einem jung verheirateten Paar die Aussteuer und – bringt viele, viele Priester zur ersten Liebe ihrer Berufung zurück.
Mehr als einmal ist es geschehen“, berichtet ihr Cousin Wilhelm von Galen, „daß ein Besucher sich durch ihren bloßen Anblick innerlich umgewandelt fühlte, bevor noch ein Wort gesprochen wurde. Andere wiederum gestanden, noch nie hätten sie einem Menschen solches Vertrauen entgegen gebracht und sich – ganz von selbst – so rückhaltlos ausgesprochen“. Ihre persönliche Ausstrahlung rührt die Menschen an. Aber gerade dieses Apostolat der Lebensberatung hat ihr im eigenen Konvent Unverständnis gebracht. „Sie verbringt zu viel Zeit im Sprechzimmer, sie liebt nicht die Klausur“, munkelt man. Was die Menschen nicht ahnen: Maria macht zur gleichen Zeit tiefste mystische Erfahrungen, aus denen ihr die Kraft zu einem ganzheitlichen Apostolat erwächst. Aber: „Niemals jedoch habe ich etwas mit meinen leiblichen Augen geschaut oder etwas mit meinen leiblichen Ohren vernommen, alles ist innerlich, wie wenn eine Stimme gesprochen hätte und man vernähme sie im Herzen und zu gleicher Zeit im Verstand.“ Ansonsten ist Maria in ihren Äußerungen über die Visionen äußerst zurückhaltend. Selbst ihre nächste Umgebung erfährt bis zu ihrem Tode nichts.
Marias Gesundheitszustand verschlechtert sich weiter. Die Diagnose heißt nun: Knochen-Tbc. Am 2. Januar 1897 empfängt Maria erneut die Krankensalbung. Den Schwestern, die sie pflegen, gibt sie Anweisungen für den Fall ihres Todes. Dann läßt sie ein Telegramm nach Darfeld senden mit den Worten: „Schwäche zunehmend – Arzt besorgt – bekam Ölung – bin ganz vergnügt.“ Es ist nicht zu fassen. Aber diese Mischung aus Tapferkeit und Galgenhumor hält sie nicht immer durch. In einem Brief an ihre Mutter gesteht sie: „Am Mittwoch habe ich mich mal tüchtig ausgeheult beim Vizerektor, ich konnte nicht mehr.“ Auf nachdrückliches Bitten des Don Theotonio in Angers erhält Maria zu ihrer großen Freude eine bekannte Assistentin. Es ist Schwester Maria Annuntiata Salzmann, wie Maria aus Münster gebürtig und noch vom Noviziat her bekannt. Trotz Krankheit hat sie alles im Blick, aber jetzt, da Schw. Annuntiata ihr zur Seite steht, kann sie loslassen.
Am 4. Juni 1897 überrascht Maria ihren Beichtvater mit der Mitteilung: „Der Heiland hat mir die Weisung gegeben, an den Heiligen Vater zu schreiben mit der Bitte, das ganze Menschengeschlecht dem Göttlichen Herzen zu weihen...“ Wir wissen nicht, was in Maria vorgeht. Noch zweimal ergeht die gleiche Bitte an sie. Sie teilt sich Don Theotonio mit, der lapidar meint: „Der Heilige Vater bedarf Ihrer Erleuchtungen nicht“. Schließlich läßt er sich doch herbei, sich von Maria einen Brief diktieren zu lassen, der am 10. Juni nach Rom abgeschickt wird. Der Empfang wird bestätigt. Eine Antwort erfolgt aber nicht.
30. Folie: Papst Leo XIII
Hinter den römischen Kulissen ist aber etwas in Bewegung, was Maria noch nicht wissen kann. Papst Leo XIII. trägt sich bereits länger mit dem Gedanken, das Jubiläumsjahr 1900 mit einer Weltweihe zu eröffnen. Den Brief der Oberin von Porto leitet er an die zuständige Ritenkongregation weiter, allerdings mit der Anweisung, er dürfe im Augenblick nicht zählen, da die Weltweihe nicht aufgrund einer Privatoffenbarung, sondern nur in Übereinstimmung mit der katholischen Lehre und der Tradition der Kirche geschehen könne. Die Antwort der Theologen fällt positiv aus. Am Ostersonntag wird das Dekret unterzeichnet, mit dem der öffentliche Gebrauch der Herz-Jesu-Litanei erlaubt und die Weltweihe an das Göttliche Herz angekündigt werden.
In dieser Zeit ist Maria schon vollständig gelähmt. Auch die inneren Organe versagen ihren Dienst. Kurz nach dem Fronleichnamsfest erfährt Maria aus der Zeitung den Text der am 25. Mai 1899 veröffentlichten päpstlichen Enzyklika „Annum sacrum“, in der Leo XIII. den 11. Juni als Tag der Weltweihe festlegt. Über diesen Termin ist Maria vermutlich schon informiert, denn der Papst hatte einige Tage zuvor ihre Eltern in Privataudienz empfangen. Zu deren Überraschung kam Leo XIII. sofort auf Maria zu sprechen, beglückwünschte den Erbdrosten und seine Gattin zu „dieser auserwählten Seele“ und trug beiden auf, Maria davon zu unterrichten, daß „ich infolgedessen, was sie mir mitgeteilt hat, diesen Beschluß gefaßt habe und mir von der Weltweihe die größten Gnaden erhoffe. Wir werden sehen, ob das, was sie gesagt hat, im Himmel anerkannt wird.“
Maria ist überglücklich und bespricht mit Schwester Annuntiata die Vorbereitungen für das Herz-Jesu-Fest und die Weltweihe, die auf das Feierlichste im Kloster begangen werden soll. Sie wird sie selbst auf Erden nicht mehr erleben.
Am Nachmittag des 8. Juni 1899 gegen 15.00 Uhr stirbt Maria vom Göttlichen Herzen. In der Kapelle beginnen mit der 1. Vesper die dreitägigen Feiern zur Weltweihe an das Herz des Herrn. Aus kompromißloser Liebe zu Gott und den Menschen hatte sie alles aufgegeben, Heimat und Familie und sich selbst. Die große Tochter der heiligen Maria Eufrasia Pelletier stellte ihr Leben unter jenen Vers, der das stolze Torhaus zu Darfeld ebenso ziert wie die schlichte Klosterpforte von Porto: „In te Domine speravi, non confundar in aeternum – Auf Dich, o Herr, vertraue ich. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden werden.“
31. Folie: Grabkapelle auf dem Friedhof in Porto
Doch eine Story? Ich glaube nicht. Wir stehen am Beginn eines neuen Jahrtausends. Die Theologie hat sich weiterentwickelt, aber die Herz-Jesu-Frömmigkeit scheint an einem Tiefpunkt angekommen zu sein. Vielleicht liegt das nicht zuletzt an der äußeren Form, die mit der Tradition von Paray-le-Monial zusammenhängt. Inhaltlich liegt der Strom dieser Herz-Jesu-Verehrung auf der Liebe Christi zu uns, als von uns verkannt, und auf der Notwendigkeit einer Wiedergutmachung, die häufig als Anstrengung, das Herz Jesu zu trösten, angesehen wird. Von den äußeren Formen will ich nur die Heilige Stunde, die Kommunion an den ersten Freitagen des Monats, die Verehrung von Bildern und Statuen vom Herzen Jesu hinweisen.
Diese Form der Herz-Jesu-Verehrung hat sicher in der Kirche viel Gutes bewirkt, aber sie hat es nicht immer verstanden, sich vor verschiedenen Gefahren zu hüten:
- der Gefahr, z. B. Privatoffenbarungen mehr Bedeutung beizumessen als der Heiligen Schrift, wodurch ein gewisser Mangel an biblischer Fundierung verursacht wird,
- der Gefahr auch der Akzentverschiebung: Man mißt den Übungen mehr Bedeutung zu als der Bekehrung des Herzens,
- der Gefahr der Sentimentalität: man erbarmt sich über das Los Christi und vergißt dabei, daß er als Sieger über Sünde und Tod auferstanden ist.
- Neben der Strömung von Paray-le-Monial nimmt sich die eudistische eher bescheiden aus. Sie hat in der Tat die Grenzen der eudistischen Orden und Gemeinschaften niemals bedeutend überschreiten können. Ich meine aber, daß sie der Lehre nach reicher ist als diese. Johannes Eudes betrachtet im Herzen Christi das Geheimnis der Liebe in seiner Gesamtheit:
- die ewige Liebe des Vaters zu uns, deren Echo und Äußerung in unserer menschlichen Geschichte die Liebe Jesu ist,
- die Liebe Jesu zu seinem Vater, die das Vorbild dessen ist, was unsere tägliche Antwort auf die Liebe des Vaters sein soll,
- die Liebe Jesu zu seiner Mutter Maria, die so stark ist, daß sie ein einziges Herz wird mit ihm,
- der Anspruch an unser Herz, sich mit dem Herzen Jesu eng zu verbinden. Besser gesagt, Jesus schenkt uns sein Herz. Dadurch kann die Liebe von unserem Leben Besitz ergreifen, es umwandeln und ihm seinen echten Sinn und seine wirkliche Erfüllung geben.
Als Maria Droste zu Vischering 18 Jahre alt ist, wird in Südfrankreich Pierre Teilhard de Chardin geboren, der in der ersten Hälfte des 20, Jahrhunderts von sich reden machte. Als Ketzer von der Kirche nach China verbannt und von Charles de Gaulle 1945 nach Frankreich zurückgeholt, schreibt er als 70jähriger Jesuit: „Sie möchten wissen, wie das mächtige und vielfältige Universum für mich die Gestalt Christi angenommen hat? Das ist nach und nach geschehen; und Erlebnisse dieser Art lassen sich nur schwer in Sprache fassen. Ich kann Ihnen jedoch Erfahrungen berichten, durch die es in dieser Frage in meiner Seele hell wurde, gleich als ob sich ruckweise ein Vorhang gehoben hätte.....(er hatte eine Kapelle betreten, um zu beten) In jenem Augenblick war mein Geist mit einer halb philosophischen, halb ästhetischen Frage beschäftigt. Wie würde, dachte ich, Christus aussehen, wenn er sich herabließe, hier leiblich vor mir zu erscheinen... Wie würde er sich sinnlich faßbar in die Materie einfügen... Mein Blick war auf ein Bild geheftet, das Jesus vorstellte mit seinem den Menschen dargebotenen Herzen... Ich stellte fest, als ich meinen Blick über die Umrisse des Bildes laufen ließ, daß sie zerschmolzen... Man hätte sagen können, die trennende Oberfläche zwischen Christus und der sie umgebenden Welt verwandele sich in eine vibrierende Schicht, in der alle Grenzen verschmolzen... Und von diesem Moment an breitete sich die Metamorphose rasch aus und erreichte alle Dinge... Die Bewegung schien von Christus auszugehen, vor allem von seinem Herzen...“Gott ist von nun an eingesenkt in das Materielle, das Materielle in das Göttliche, ohne daß beide ihren Eigenstand verlieren. Eine Notiz von ihm aus dem Jahre 1948 faßt das noch einmal zusammen: „Herz Jesu = Mitte Jesu = universelles Zentrum eines konvergierenden Kos-mos“.
Unsere große deutsche Mystikerin Maria vom Göttlichen Herzen lädt uns ein, uns neu auf die unverdiente, geschenkte Liebe Gottes zu besinnen, denn
„Unser irdisches Leben ist uns nur dazu gegeben, es für die Erfüllung der großen Absichten, die Jesus mit uns hat, zu vollbringen. Deshalb sollen wir unsere Zeit, unsere Tage und Jahre verwenden, um mit Jesus mitzuwirken und mitzuarbeiten in diesem göttlichen Werk der Vollendung seiner Geheimnisse in uns.“(hl. Johannes Eudes)
32. Folie: Marias letzte Ruhestätte in der Klosterkirche Porto
So hat sich Maria ihre Beisetzung bestimmt nicht vorgestellt.
33. Folie: Was bleibt?
Ja, was bleibt? So frage ich oft. In Portugal wird Maria auch heute noch verehrt. Und in Deutschland? Ich glaube, wir müssen sie neu entdecken, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie sozusagen in aller Munde. Unser Archiv gibt Auskunft darüber. Den Namen Maria Droste zu Vischering tragen viele Einrichtungen der Schwestern vom Guten Hirten in aller Welt: in New York, in Indonesien, Indien, Thailand, Mozambik, in Hofheim und in Frankfurt am Main usw. Überall versuchen Schwestern vom Guten Hirten, wie Maria Droste Mädchen und Frauen beizustehen, die im modernen Sklaventum gehalten werden: in Zwangsprostitution, Zwangsehen und anderem mehr, helfen Frauen und ihren Familien herauszukommen aus Krankheit und Elend und fehlender Bildung.
34.Folie: Schluß: eine große Tochter der hl. Maria Eufrasia Pelletier Foto Eufrasia
Das ist das Erbe der Frau, die wir als Gründerin betrachten: Maria Eufrasia Pelletier. Maria ist ganz gewiß eine ihrer größten Töchter. Wir danken Gott, dass sie eine der Unsrigen ist.
Frankfurt am Main, den 20.03.2007 – Sr. Gudula Busch RGS
Benutzte Quellen:
Manuskript von Augustin von Galen über das Leben seiner Cousine
Max Bierbaum: Maria Droste zu Vischering, Herder 1966
Rupert Lay: Die Ketzer, Econ 1997
Henri Boulad, Otto-Müller Verlag 1997 „Starkes Tun, stärkeres Sein“
Maria Droste zu Vischering, Wolfgang Poeplau /Provinz Münster
Originalbriefe von Maria aus dem Droste-Archiv Angers/Münster
Tagebücher der Eltern von Maria Droste zu Vischering
Konstitutionen der Schwestern vom Guten Hirten, Rom 1987